Informatik, Digitalisierung & Prozesse

Der Bund testet einen Büro-Alltag ohne Microsoft – aber nur ein bisschen

Veröffentlicht von Rene Haeberli am

Bundeshaus im Morgenlicht
Morgenstimmung wegen Open-Source in der Bundesverwaltung?

Die Schweizer Bundesverwaltung will wissen, ob sie ihre tägliche Büroarbeit auch mit Open-Source-Software statt mit Microsoft 365 erledigen könnte. Dafür startet die Bundeskanzlei jetzt ein Pilotprojekt.

Was genau passiert?

Ab Ende 2027 sollen rund 3000 Bundesangestellte testweise mit einer neuen, „digital souveränen“ Software arbeiten.

Sie deckt die üblichen Büro-Funktionen ab:

  • E-Mail
  • Kalender
  • Dokumente und Präsentationen
  • Telefonie
  • Audio- und Videokonferenzen

Mitmachen dürfen ausgewählte Mitarbeitende aus verschiedenen Departementen, die in besonders sensiblen Bereichen arbeiten.

Wichtig: Kein Abschied von Microsoft

Die neue Plattform ersetzt Microsoft 365 in dieser Phase nicht – sie läuft einfach parallel dazu. Es geht erstmal nur darum, die Plattform überhaupt aufzubauen und im echten Betrieb zu testen.

Was kostet das?

Für diese erste Phase rechnet der Bund mit rund 9 Millionen Franken (3’000 Franken pro Teilnehmer). Das Geld stammt aus einem Parlamentsbeschluss, mit dem eine souveräne Schweizer Open-Source-Lösung für die Büroautomation aufgebaut werden soll. Erst nach dieser Testphase will man abschätzen, was eine Einführung für die ganze Verwaltung kosten würde.

Warum macht der Bund das überhaupt?

Grundlage ist eine frühere Machbarkeitsstudie (genannt „PoC BOSS“). Sie hat gezeigt: Eine browserbasierte Open-Source-Lösung funktioniert grundsätzlich gut für die normalen Büro-Aufgaben. Bei einigen Dingen – etwa grossen Videokonferenzen – gab es aber noch Schwächen.

Fazit

Büro-Alltag ohne Microsoft – aber nur ein bisschen. Immerhin: Das ist ein vorsichtiger erster Schritt, kein Startschuss für den grossen Microsoft-Ausstieg. Der Bund will einfach herausfinden, ob und wie eine unabhängige, europäische bzw. Schweizer Alternative im Alltag funktionieren könnte – bevor er grössere Entscheidungen trifft.

Quellen:

Swiss IT Magazine, 2. September 2026
Tagesanzeiger, 23. Januar 2026


Unser Kommentar

Mutig und zeitgemäss. Endlich kommt Bewegung in dieses, lange verschleppte Thema. „Schwierig, kompliziert, unmöglich“, waren die Voten, die man bisher von Politikern und Verantwortlichen lesen und hören konnte.

Es braucht keine Angstmache, sondern eine neutrale, nüchterne Betrachtung und ein sauberes Evaluationsverfahren.

KMU und Privat-Personen können heute schon umsteigen. Schrittweise, angepasst, gefahrenfrei und ohne eine einzige Funktion zu verlieren.


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